Zwei Buchhändlerinnen. Eine Leidenschaft. Unendlich viele Seiten.

Mildred Pierce von James M. Cain

//unbezahlte Werbung// Rezensionsexemplar


Absolute Suchtgefahr

Heute möchte ich euch ein weiteres Buch aus dem Arche Literaturverlag empfehlen, dass mich zurückließ mit: Begeisterung, Schwebezuständen, Trommelwirbel, Ekstase, Verzückung, Euphorie… Ich könnte ewig so weitermachen. Mit „Mildred Pierce“ hat der Verlag mich komplett abgeholt. Was für ein Buch! Und doch saß ich nach meiner Lektüre da, und überlegte mehrere Tage hin und her, wie ich dieses Buch beschreiben soll. Auch jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, bin ich mir noch nicht sicher was genau ich über solch einen opulenten Roman schreiben kann, um ihm gerecht zu werden. Für mich ist dieses Buch ein Highlight sondergleichen. Was gibt es Schöneres, als eins mit einer Geschichte zu werden?

Ich muss mich an dieser Stelle mit dem Inhalt des Buches tatsächlich kurzhalten, und kann nicht allzu viel erzählen. Es gibt Romane, bei denen jedes Wort zu viel sein kann. So auch bei diesem.

 

Mildred Pierce

Einfach und schlicht. So ist der Name dieses Romans. Als Titel trägt er den Namen unserer Protagonistin. In diesem Falle eine Punktlandung. Wir befinden uns in Kalifornien, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Mildred ist eine einfache Hausfrau. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um Haus, Hof und Kinder. Sie und ihr Ehegatte Bert bleiben auch nicht vor der Krise verschont. Berts guter Ruf als Immobilienmakler ist dahin, das Geld nun mehr als knapp. Einzig Mildreds Sparsamkeit, sowie ihre Fähigkeit exzellente Kuchen zu backen und in der Nachbarschaft zu verkaufen, hält die Familie über Wasser. Doch Berts Abfall in eine sich ankündigende Depression, sowie die Liaison mit einer anderen Frau, lässt Mildred irgendwann die Reißleine ziehen. Sie trennt sich von ihm und trägt nun noch mehr Verantwortung auf ihren Schultern. Vor allem ihrer älteren Tochter Veda gegenüber fühlt sich Mildred verpflichtet einen gewissen Standard zu halten. Mildred kämpft verbissen darum sich wieder gesellschaftlich hochzukämpfen- mit Erfolg, wenn auch mit einigen Niederschlägen, die das Leben eben manchmal mit sich bringt.

 

Eindringlich und eindrucksvoll

So kann man Mildred gut beschreiben. Sie ist eine faszinierende Persönlichkeit, die eine gewisse Stärke ausstrahlt, zielgerichtet in die Zukunft schaut und vor allem eines tut: sie verliert nie ihren Fokus und ihre Dynamik. Auch wenn es in ihrer Biographie einige Rückschläge zu verkraften gibt, so lässt sie sich nie fallen, sondern steht jedes Mal entschlossen wieder auf und macht weiter. Was von großem Erfolg gekrönt ist. Wäre da nur nicht eine Person in Mildreds Leben, die ihre Achillesverse ist.

 

Veda

Veda zu beschreiben ist für mich nicht ganz so einfach, da sie immerhin zu Anfang des Romans noch ein Kind ist. Doch in diesem Falle trifft es das Wort „Miststück“ ganz gut. Veda ist ein arrogantes und intrigantes Miststück, die das Leben ihrer Mutter auf vielfältige Art und Weise schwer macht. Sie sorgt im Laufe der Geschichte immer wieder für Überraschungen.

 

„Wo hast du das denn her?“ Mildred hatte sich hingesetzt, doch bei diesen letzten Worten schaute sie auf. Sie war mit Vedas Vokabular bestens vertraut, und sie wusste, dass diese Ausdrücke nicht dazugehörten. Bei dieser Frage trat Veda näher und beugte sich vor. „Ach du arme Närrin- glaubst du vielleicht, er würde dich heiraten?“
„Wenn ich gewillt wäre, ja.“
„O ihr Götter, vernehmt mein zynisches Gelächter, aus Pagliacci von Ruggero Leoncavallo, achtzehnsiebenundfünfzig bis neunzehnneunzehn. Wenn du gewillt wärst…! Entschuldige mich bitte, während ich meine erschütterte Haltung wiedergewinne. Du Dummkopf, weißt du nicht was er in dir sieht?“ „Ungefähr das, was du siehst, denke ich.“
„Nein- es sind deine Beine.“
Das– hat er dir- gesagt?“
„Aber natürlich.“
(Seite 253, übersetzt von Peter Torberg)

 

Einfach großartig

James M. Cain ist ein Autor, der sprachlich in einer der höheren Ligen spielt.
„Cain ist der größte amerikanische Autor“, sagte schon Albert Camus.
Mildred hat mich mit der unaufgeregten, aber bestechlichen Erzählweise mehr als nur gefesselt. Ich wollte und konnte den Roman nur schwerlich beiseitelegen. Schreibweise, sowie der Umfang der Geschichte verursachte ein wenig das Gefühl vom Betrachten einer Daily Soap, ohne abgedroschen zu sein. Etwa ab der Hälfte des Buches gab es einen Part der mich fürchterlich aufgeregt hat. Ich musste das Buch tatsächlich zwei Tage beiseitelegen um mich wieder zu sammeln. Aber auch hier ist es wieder der Satz: das ist nun einmal das Leben, absolut passend. Kopfschüttelnd und emotional verfolgte ich den weiteren Verlauf der Geschichte, der in einem grandiosen Ende mündete. Die letzte Seite, nein die letzten vier Sätze sind der Inbegriff von Perfektion um dieses Buch abzuschließen.

Auch die Covergestaltung spricht für sich. Es ist der Geschichte bestmöglichst angepasst, macht neugierig und fällt zudem auf. Habe ich schon genug betont, dass ich dieses Buch liebe?

Fazit: Dies wird eines der Bücher sein, dass ich immer wieder zur Hand nehmen werde. Rundum gelungen, bewegend und sprachlich ein Genuss!


Verlag: Arche Literaturverlag
Übersetzer: Peter Torberg
Seiten: 415
ISBN: 978-3-7160-2774-5
Preis: 22,00 €


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